Donnerstag, 15. Oktober 2009

14.10.2009 Mittwoch


Nach der langen letzten Nacht schliefen wir heute richtig aus. Erst gegen 10.00 krochen wir aus den Federn. Gleich vor dem Frühstück begleite ich die Schweizer mit ihrer Amel in die Aktio Marina. Bei Wind von vorne ist es einfacher, wenn zwei Leute Mooring, bzw. hinteren Festmacher los werfen und einer am Ruder und den Schalthebeln steht. Die Schweizer hätten eigentlich auch in der Cleopatra an Land gewollt, haben aber zur Antwort bekommen, dass sie sich ein Jahr im Voraus um einen Platz hätten bemühen müssen. Sehr seltsam, wir haben erst vor ein paar Wochen einen Platz reserviert. Kurz danach legen die Engländer neben uns mit ihrem Motorboot ab und werden gekrant. Es wehte zwar weiterhin ein kräftiger Nordwind, aber nicht mehr mit Sturmstärke. Zunächst werden die Festmacher weiter optimiert. Wir haben ja für jede Bugspitze zwei Mooringleinen. Da lag es nahe, die Bugspitzen mit jeweils über Kreuz laufenden Leinen zu fixieren. Leider war lediglich eine lang genug. Die zweite reichte immerhin bis zur Mittelnase und wurde auf einer für den Anker vorgesehenen Klampe belegt. Ja, ja die Klampen. Vorsichtshalber nahm ich die Unterfütterungen aller Klampen unter die Lupe. Erschreckend, wie windig die ausfallen. Gerade mal eine Aluplatte von 2 cm auf 15 cm. Da hätte ich eine deutlich größere erwartet. Jetzt hilft es nichts mehr, die Heckklampen können wir eh nicht verstärken, da die Festmacher darauf belegt sind. Und die Unterfütterungen der Bugklampen konnte ich erst gar nicht einsehen, da der Bugbereich durch eine Trennschott werde zugänglich noch einsehbar ist. Die hinteren Festmacher werden anders mit denKetten, bzw. den Federn verbunden. Nicht mehr doppelt laufend. So bekommen wir mehr Platz an den Umlenkrollen und den Klampen, um eine dritte Leine ausbringen zu können. Diese Leinen sollen das hin und hertreiben des Hecks zu verhindern. Dabei nutzen wir auch die Winschen zum Belegen der Leinen. Als sich das Wetter weiter bessert wird das Auto ausgeladen. Und wieder ist das Schiff etwas schwerer, der Raum unter Deck etwas weniger. Der Anker bleibt im Auto. Er birgt neue Probleme. Der jetzige Schäkel zwischen Ankerkette und Anker ist für den neuen natürlich zu klein. Überhaupt bräuchten wir eine 12 mm Kette. Dabei waren wir so stolz, schon eine 10 mm dicke zu haben. Das erschien uns bereits überdimensioniert. So ändern sich die Blickwinkel!! 80 Meter Kette mit 12 mm würden schlappe 980 € kosten. Und warum haben wir uns als Ersatz eine 10 mm Kette gekauft? Eine Backskiste wird umgepackt, eine Plastikkiste verschwindet im Mülleimer und wird durch einen Mörteleimer ersetzt. Und da klaut doch tatsächlich einer die alte Plastikkiste aus der Mülltonne. Wo ist jetzt der Kapo? Ich versuche schließlich, unseren Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Mit meinen Einträgen hinke ich böse hinterher. Aber auch die vorhandenen Beiträge kann ich nicht alle hoch laden. Auf einmal ist die Verbindung weg und ich kann mich nicht wieder anmelden. Ungültiges Passwort. Vor dem Duschen frage ich deshalb im Büro nach und werde aufgeklärt, dass jedes Passwort halt nur drei Stunden gültig ist. Ich bekomme ein neues. Die Duschen sind schön warm. Danach gehen wir nach nebenan zum Essen.

Bild des Tages: Gestrandetes Schiff

13.10.09 Dienstag

C: Ab 2.30 ist Schluss mit lustig. Der Sturm hat voll aufgedreht. Das Schiff bockt in den Seilen wie ein störrisches Pferd. Alles scheppert, knarzt und vibriert. Mir ist alles andere als wohl dabei. Machen kann ich nichts und das Dasitzen und Abwarten zerrt gewaltig an meinen Nerven. Vom Meer sieht man momentan nur die weißen Schaumkronen und es platscht gewaltig, wenn die Wellen unseren Steg überspülen. Der arme Michi! Die Überfahrt mit der Fähre ist bestimmt alles andere als geruhsam.

Habe Position im Salon eingenommen. Gegen 3.30 scheppert es so laut, dass ich aufspringe und raus laufe. Die linke und dickere unserer Metallruckfedern ist gebrochen. Auf der Seite hängt das Schiff nunmehr nur noch an einem Festmacher. Der Festmacher, an dem die Feder befestigt war, liegt natürlich zu unterst auf der Klampe. Alles ist nass und lässt sich so gut wie nicht bewegen. Also knote ich einen anderen Festmacher an die vorhandene Schlaufe um diesen wieder mit der Eisenkette am Steg zu befestigen. Soweit die Theorie. In geistiger Umnachtung habe ich gestern Abend die Gangway hochgezogen, damit sie bei Sturm nicht ins Wasser rutscht. Grober Fehler! Gegen den Wind habe ich nun keine Chance, die schwere Gangway an den Steg zu setzen. Weit und Breit ist natürlich kein Mensch zu sehen, dem ich die Leine zuwerfen könnte. Es dauert ca. eine halbe Stunde, dann bricht auch die Feder auf der anderen Seite! Auch dort konstruiere ich einen Notbehelf, den ich vielleicht irgendwann jemandem zuwerfen kann. Habe schon beim englischen Motorboot angeklopft, aber die hören mich nicht. Das andere Nachbarschiff ist verlassen, wie ich später erfuhr, haben sie im Auto geschlafen. Zwischendurch sms mit Michi gesendet. Es war für mich wirklich nah an der Hölle. Stockdunkel, der Wind hat geheult, die Wellen sind permanent über den Steg geschwappt, es hat gegossen wie aus Kübeln und ich mutterseelenallein nass bis auf die Haut mittendrin. Gegen 5.00 kam ein Hoffnungsschimmer in Form eines netten Engländers daher, der gleich nachfragte, ob er helfen könne. Mit seiner Hilfe, verfügte das Schiff nun wieder über den zweiten Festmacher an einer Seite. Nun war die Belastung auf den Klampen allerdings zeitweise so groß, dass ich Angst hatte, sie könnten nicht halten. Also Motoren an und die ganze Sache entlasten. Der Wind drehte ständig hin und her. Immer wenn ich dachte, es würde langsam besser, drehte er aus unpassendster Richtung wieder auf. Gegen 8.00 wurde es langsam hell und der Wind flaute mit zunehmender Helligkeit ab. Leider bleibt er immer noch so stark, dass ich Michi mit laufenden Motoren begrüßte. Ich war einfach nur noch fertig und heilfroh, dass er gut hier angekommen war. Auch als schon hell war, hat sich von den Marinaleuten keiner blicken lassen. Erst am Nachmittag, ging einer von ihnen mindestens 3x unseren Steg ab und warf einen Blick auf die Festmacher der vorhandenen Schiffe. Ich hätte ihn am liebsten vom Steg geschubst. So etwas brauche ich so schnell nicht wieder!

M: Irgendwann ist es genug. Der einzige, der in unserer Kabine schläft, ist der Georgier. Er schnarcht und wacht immer wieder auf, worauf er zu schimpfen beginnt und gegen die Wände schlägt. Alleine durch das Einatmen seiner Abluft dürfte ich einiges an Promille abbekommen haben. Es ist 07.00 Uhr und ich wandere über Deck. Irgendwann lande ich auf dem Hubschrauberlandeplatz, von dem man einen guten Blick auf das Meer hat. Ist schon eindrucksvoll. Auf einmal beginnt das Handy sich zu melden. Massig SMS. Die üblichen über das Telefonieren im Ausland und dann eine weniger schöne. Beide Federn der Festmacher gebrochen, Festigkeit der Klampen fraglich. Große Scheiße!! Mehr als gute Ratschläge per SMS und direkten Anruf kann ich nicht leisten. Jetzt fährt das Schiff natürlich viel zu langsam. Wir passieren Erikoussa und Korfu, aber Igoumenitsa will und will nicht kommen. Es wird hell und irgendwann drehen wir in die lange Bucht des Zielortes. Einletzter Besuch in der Kabine, die beiden Kollegen sind tatsächlich schon auf. Zum Auto, Rausfahren und ab Richtung Preveza. Ein kurzer Abstecher nach Platarias. Die dort liegenden Schiffe sind durch die Bucht und eine lange Mole gut geschützt, Platz für uns wäre aber nicht. hier liegt die Neilson-Flottille. Die weitere Fahrt bringt immer wieder Erinnerungen an unseren früheren Urlaub hier in Ligia. Und einige Ausblicke auf das aufgewühlte Meer. In Preveza kaufe ich schnell zwei neue Ruckdämpfer. In der Marina steht Carola an Bord und hält mit Maschine das Schiff auf Position, um die Festmacher und Klampen zu entlasten. Als erstes werden die neuen Federn angeknotet und weitere Leinen ausgebracht. Der Wind soll auch deutlich schwächer sein als in der Nacht. Da irgendwann nichts weiter zu machen ist, spazieren wir kurz an Land. Als wir den Müll entsorgen entdecke ich ein Seil in der Tonne und hole es mir gleich raus. Das passt dem Kapo der Marina gar nicht. „Where are you going? Where are you from? What are you doing?“ So ein Wichtigmacher. Er besteht darauf, dass das Seil in der Mülltonne bleibt. Er hat wohl Angst, dass es als Beweismaterial gegen die Marina verwandt werden könnte. Die Nachbarmarina hat da tatsächlich ein Problem. Eine ihrer Mooringbojen hat sich losgerissen. Das daran hängende Schiff liegt an Land. Obwohl die Besatzung an Bord war, hat sie die Strandung nicht verhindern können. Zum Abendessen gibt es Flocken. Da wir beide gut müde sind liegen wir bald im Bett. Obwohl der Wind weiter heult und die Festmacher an den Klampen knartzen schlafen wir rasch ein.

Video des Tages: Windstärke 7 auf dem Wasser. Sieht harmloser aus als es ist


12.10.09 Montag


C: Wieder eine kurze Nacht. Um 4.00 fängt es an zu regnen, also schnell die Luken zu. Als hätte ich es geahnt, hatte ich gestern Abend vor dem zu Bett gehen schon die Auffangschüsseln unter die verdächtigen Stellen platziert. So konnte ich mir die Aktion nun sparen. Um kurz vor 6.00 ging es dann mit den Gewittern los. Der Wind kam aus Norden und es schepperte gewaltig. Bis Mittags kam immer wieder das eine oder andere Gewitter hier an. In einer Regenpause kamen unsere Nachbarn zur Rechten mit ihrer Amel zurück. Obwohl alles sehr knapp aussah und der Marinero und ich schon die Augen zu kniffen, war das ein Anlegemanöver der Spitzenklasse. Zentimeter mit dem Bug an allen andern vorbei, drehte er das Schiff in dieser engen Boxengasse und legte sich in einem Affentempo neben uns. Gott sei Dank kam kein Wind auf und auch die Strömung war nicht so wild, denn ob ich den bei der Geschwindigkeit hätte wegdrücken können ist fraglich. So konnte ich dann nur mit einem ehrfürchtigen Blick gratulieren. Kaum fing es wieder an zu regnen, durfte ich unsere Sicherheitsleine einholen und anderwertig belegen, da wir nun auch auf der anderen Seite Nachbarn bekamen. Ein englisches Motorboot mit einem sehr netten älteren Paar. Michi hat mir per sms Sturm angekündigt, erst aus Süd (brauch ich nicht unbedingt), dann aus Nord (will ich gar nicht haben). Bis der Wind aus Norden kommt, will er allerdings schon hier sein. Wir werden sehen. Es regnet ohne größere Pausen den ganzen Tag über. Das die Dame von der Amel bei dem Wetter draußen steht und Fender scheuert, irritiert mich dann doch etwas. Habe heute Vormittag noch etwas im Salon streichen können, dann war die Farbe aus. Am späten Nachmittag ließen die Nachbarn ihren Außenborder über 2 Stunden im Frischwasserfass laufen. Es war einfach herrlich, danach nur noch das Geplätscher des Regens zu hören. Apropos Geplätscher, seit heute weiß ich, was ich in der letzten Zeit überhaupt nicht vermisst habe: Eine kalte Dusche! Wenn das Duschwasser nur durch Sonnenenergie erwärmt wird, hat man an einem Tag wie heute natürlich die A..Karte gezogen. Die Zeit auf der Karte zählt natürlich trotzdem, was heißt, zahlen darf man doch. Um mich für die kommende Nacht zu stärken war ich im Marinarestaurant, leider war das Fleisch sehr versalzen. Nun habe ich Durst ohne Ende. Vielleicht sollte ich die Flasche Ouzo leeren, das Wetter vergessen und mich in die Federn begeben. Die Fender auf der Amel blitzen geradezu. Aber wohl nicht lange, kommen sie doch zwangsläufig mit unseren Reifenverschmutzten Fendern oder der Bordwand in Kontakt, die leider auch nicht besser ausschaut. Bis 23.00 hat der Wind zwar deutlich zugenommen, es hält sich aber noch in Grenzen. Noch einmal eine kurze Kontrolle und dann ab ins Bett.

M: Und wieder wird früh aufgestanden. Bei absolutem Sauwetter starte ich zum Endspurt. Wegen einer unübersichtlichen Baustelle verpasse ich in Innsbruck die Abfahrt zum Brenner und muss mich durch Innsbruck quälen. Am Brenner dichter Schneefall. Hauptsache ich bin oben und der Golf ist nicht unter dem Gewicht zusammen gebrochen. Bei Sterzing geht der Schnee in Regen über und in Bozen sehe ich kurz blauen Himmel. Bei Trento fahre ich in ein heftiges Gewitter, mit dem ich bis Verona südwärts ziehe. Bis Bologna ist es bewölkt, dennoch muss ich die Sonnenbrille aufsetzen. Ein per Verkehrsleitsystem angekündigter Stau von Imola bis Foglio hat sich bei meinem Eintreffen aufgelöst, so dass ich weiterhin zügig voran komme. In Ancona wird der Regen zu einem Unwetter. Neu ist, dass man nicht mehr direkt bei den Fähren eincheckt, sondern mitten in der Stadt. Es ist aber alles gut ausgeschildert. Der Parkplatz vor dem neuen Gebäude ist fast leer. Als ich mit den Tickets zurück zum Auto will, steht der Parkplatz knöcheltief unter Wasser. Auf der Fahrt zum Hafen sind immer wieder Straßenteile überflutet. Plötzlich steht die Guardia di Finanza mit einem Wagen quer auf der Straße. Sie sichern ein umgefallenes Häuschen. Vor der Fähre reihe ich mich in die Schlange und warte. Die Fähre wird gerade erst ausgeladen. Erst jetzt lässt der Regen nach. Als ich schließlich die Rampe in die Fähre überquere brodelt es darunter wie in einem Hexenkessel. Obwohl die Fähre mit ihrer rechten Luvseite parallel zu einer Mole liegt, kann sie sich nicht alleine halten. Sie gibt vorwärts Schub und das Bugstrahlruder läuft ebenfalls auf Hochtouren. Zusätzlich schiebt ein Schlepper mit voller Kraft von der Seite. Ich lasse mir meine Kabine zeigen. Entgegen der Versprechung der ADAC-Mitarbeiterin bin ich nicht alleine in der Kabine. Ich wandere weiter über die Decks. Draußen ist es sehr ungemütlich, es regnet und weht. Etwas verspätet laufen wir aus. Sofort beginnt es heftig zu schaukeln. Da ich keine Anzeichen von Seekrankheit verspüre gönne ich mir Spaghetti für 7 €. Anscheinend hat die Fähre den Kurs oder der Wind die Richtung geändert, da das Schiff viel ruhiger liegt. Gegen 23.00 gehe ich zurück zur Kabine. Über mir liegt schon ein freundlicher Italiener. Ruhe finden wir leider keine. Unser dritter Kabinenkollege, ein Georgier, kehrt in unregelmäßigen Abständen von seiner Sauftour in die Kabine zurück, um irgendetwas zu suchen oder zu holen. Es ist erstaunlich, dass er sich die Zimmernummer merken kann, da er nie in der Lage war, selber die Türe mit der Karte zu öffnen. Irgendwann ist es dem Italiener und mir zu viel. Wir machen dem Georgier klar, dass er sich entweder ins Bett legen oder draußen bleiben soll. Leider entscheidet er sich, ins Bett zu gehen.

Bild des Tages: Schwer am Platz zu haltende Fähre

11.10.09 Sonntag


C: Viel zu früh wurde ich von der griechischen Restaurantmusik geweckt. Schnell gefrühstückt und dann mit dem Anstrich im Salon begonnen. Im Gegensatz zum Besucherrumpf, muss ich hier schon früher anfangen zu streichen, sonst wird es zu heiß und die Farbe lässt sich nur noch sehr schwer verarbeiten. Anschließend bekam die große Verkleidung ihren 4. und letzten Anstrich. Bei den beiden Lukenverkleidungen konnte ich schon das Abklebband entfernen, ein schönes Gefühl. Nachmittags habe ich in der Sonne gesessen und gelesen. Eine sms von Michi kam, während ich die Antwort schrieb, ging das Handy wieder aus und lies sich stundenlang nicht wieder einschalten. Nach Sonnenuntergang funktionierte es dann wieder. Sehr, sehr eigenartig! Im Zusammenhang mit dem Buch über den mächtigsten Geheimdienst der Welt, dass ich gerade lese, noch eigenartiger. Michi berichtet über Schneefall am Brenner und zuvor über Regen in Rosenheim. Seit er nach Deutschland geflogen ist, ist das Wetter hier paradiesisch. An den vergangenen Wochenenden war das Wetter jedes Mal so grausam, dass ich in die Marina gedrängt habe, weil ich so was allein einfach nicht durchstehen wollte. Wie hätte ich allein mit diesem großen Schiff einen neuen sichereren Platz anlaufen sollen? An diesem Wochenende: schönstes Sommerwetter! Gegen Abend zogen vereinzelt Wolken auf (aber da war Michi auch schon wieder bis Österreich vorgedrungen…) Damit steht ja nun wohl einwandfrei fest, wer für die Wetterkapriolen zuständig ist. Ich bin es jedenfalls nicht..!!!

M: Nach dem Ausschlafen wird der Golf gepackt und dann geht es los Richtung Süden. Bei Hildegard auf dem Land in Österreich mache ich Station. Auch hier können wir noch draußen sitzen, später in der Nacht beginnt es zu regnen. Bei einem Internetbesuch sehe ich schlechtes Wetter auf Carola zukommen. Mit Glück schaffe ich es, bei ihr zu sein, bevor es ganz schlimm wird.

Bild des Tages: Blick von der Terrasse meiner Gastgeber

Mittwoch, 14. Oktober 2009

10.10.09 Samstag


C: Was für ein sch…Tag!!! Bin extra zeitig aufgestanden um in Ruhe zu frühstücken und dann überpünktlich beim Marinabus zu sein, um meinen „Streichfrust“ in der Stadt etwas abzulaufen. Das ich noch nicht einmal den Tee genießbar bekommen habe, hätte für mich eigentlich der Wink mit dem Zaunpfahl sein sollen. Dann die Entdeckung des Tages: Die ungestrichenen Lukenverkleidungen in unserem Bad und der Kabine sind an den äußeren Rändern feucht. Moskitonetze, Luken, alles trocken. Wenn es die inneren Ränder wären, könnte ich mir vorstellen dass Feuchtigkeit von den Netzen oder der Luke hereingesickert ist, aber dort sind keine Spuren zu sehen. Auch die große Verkleidung über dem Bett hat in Richtung Tür, Wasserränder. Da ist überhaupt keine Luke. Die kleine Luke über dem Bett ist einen halben Meter von den Flecken entfernt. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, woher die Feuchtigkeit kommen kann. Ich hoffe nur, die Befestigungsschrauben sind nicht zu tief ins Deck eingedrungen. Allerdings hätten wir nach den ganzen überstandenen Regengüssen eher was bemerken müssen, denn die Verkleidungen hängen ja schon seit Monaten dort. Um 9.50 bin ich am Bus, der ist allerdings so gesteckt voll, dass kein Platz mehr für mich ist. Streichen kann ich noch nicht, dass Licht ist noch zu schlecht, da der derzeitige „Arbeitsrumpf“ noch im Schatten liegt. Plan B muss her. Duschvorhänge waschen und Dusche putzen. Nun ist aber allein schon die Nutzung der Küchenspüle, für welchen Zweck auch immer, ein Kapitel für sich. Einfach Spülwasser aus der Schüssel ausgießen ist nicht. Es muss wohl dosiert langsam, auf beide Spülbecken verteilt ausgegossen werden, weil sonst entweder gar nichts abläuft, oder Gott weiß was hochkommt. Auch Wasser, in was auch immer einzulassen geht nicht so ohne weiteres. Die Armatur ist am Übergang zur Spüle undicht. Es kann sein, dass einige Liter Wasser durchlaufen und es passiert gar nichts, wenn das Wasser dann aber doch vorbei läuft, muss ich schnell sein. Ich habe schon einen Lappen an der kritischen Stelle platziert, der einiges auffängt, allerdings nur sehr begrenzt. Hat er sich schon voll gesogen und ich bin nicht schnell genug, läuft das Wasser an den Zierleisten entlang, Richtung Treppe, bis es dann langsam aber sicher in der Bilge verschwindet. Waschen unter diesen Bedingungen ist daher schon eine gewisse Herausforderung. Begleitet von unschönen Wünschen hingen die Vorhänge dann an Deck und ich konnte mir den Rest der Dusche vornehmen. Darüber möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hängen. Stell euch vor, ihr müsstet euer Bad ausschließlich auf Knien putzen… Nett gell???

Weiter ging es mit der Streicherei, bei der der Pinsel heute scheinbar mehr Borsten als Farbe abgegeben hat. Zum guten Schluss hat dann mein Handy den Geist aufgegeben. Habe morgens den Akku geladen, aber als ich nach dem Duschen nach sms geschaut habe, war es aus. Einfach so. Manchmal flackerte es auf dem Display, einmal erschien sogar die Maske für die Pin, danach wieder alles schwarz. Kontrolliert hab ich alles, aber funktionieren tut nichts. Gut, dass der Tag endlich vorbei ist.

Welch frommer Wunsch… Positiv war, dass mein Handy, bevor ich zu Bett ging doch noch „ansprang“. Nachdem gegenüber im Restaurant um kurz vor 2.00 endlich die Musik ausgeschaltet wurde (die Endlos CD die hier gespielt wird erweckt den Eindruck das alle griechischen Interpreten zutiefst depressiv sind), war der Tag dann doch vorbei.

M: Heute lasse ich es ruhiger angehen. Mit Walter wird Müll entsorgt, ich habe ihm da einiges hinterlassen. Danach noch mal kurz Einkaufen und dann besuchen wir seine Mutter in der Wohngemeinschaft. Den späten Nachmittag verbringe ich bei Clausi, den die Arbeitswut gepackt hat. Der Keller wird gefliest.

Bild des Tages: Voll gepackter, tiefer gelegter Golf

09.10.09 Freitag


C: Vormittags etwas gewaschen und auf den „Einsatzbefehl“ der Schweizer zum Fendern gewartet. Obwohl ich nur noch einen Apfel habe, bin ich deshalb nicht mit zum Einkaufen gefahren. Es wurde immer später und kein Mensch hat sich gerührt, also habe ich wieder meinen Farbtopf hervorgeholt und weiter gestrichen. Nach der 4. Schicht Farbe, sieht die Lukenverkleidung im Gästebad schon recht ordentlich aus. Das Marinarestaurant ist heute brechend voll, daher genieße ich an Bord eine französische Tütensuppe.

M: Heute ist wieder ein großer Einkaufstag. Zunächst besuche ich Walter in der Sparkasse Breitbrunn. Von dort geht es zu einem Schiffsbauer, der mich beim Einbau von Scheiben und Luken berät. Prinzipiell haben wir nichts falsch gemacht. Die Temperaturen beim Einbau sollten halt nicht über 20° liegen. Neu für mich war, dass man Sika auch in Etappen verarbeiten kann. Wir müssen also nicht vorsichtshalber mehr auftragen, um sicher alle Zwischenräume ausgefüllt zu haben. Beim Einbau von Fenstern verwenden die Bootsbauer als Abstandshalter ein Gummiband, das sie rundum einkleben. Dadurch verhindern sie auch, dass Sika nach innen fliest. Weiter geht es nach Traunstein. Bei einem Schrotthändler kaufe ich eine alte Lichtmaschine für den Golf, kostet 25 €. In Rosenheim beim Obi wird der Einkaufswagen gefüllt, alles auf meiner Liste hat er allerdings nicht. Zum Beispiel so banale Sachen wie ein Batteriekabel. Beim Wal Mart werden Lebensmittel gebunkert, beim Media Markt ein Drucker gekauft. Bei Clausi hole ich die SVB-Pakte ab und kontrolliere, ob alles drinnen ist. Der Rodkicker sieht etwas windig aus. Hoffen wir mal, dass er sich wie zugesichert kürzen lässt und unseren schweren Baum hält. Am Abend fahre ich zum Volleyball nach Aising.

Bild des Tages: Trübes Wetter in Deutschland

08.10.09 Donnerstag

C: Die Streichergebnisse von gestern deprimieren mich zutiefst! Wo zum Teufel ist die ganze Farbe geblieben??? Selbst die Lukenverkleidung die ich gestern schon 2x gestrichen hatte präsentiert sich lediglich in einem Hauch von Weiß. Nach dem dritten Anstrich kann man jetzt zumindest ahnen, wie es mal aussehen soll… Für die große Holzverkleidung über der Gästekoje, reicht`s heut nur für einen Anstrich, dann reicht`s mir! Wie konnten wir nur so blöd sein und die Dinger ohne Anstrich an die Decke schrauben? Jahrelang hat mein rotes „Che“ T-shirt überlebt, nun hat es diverse Farbspuren auf dem Rücken. Trauriger Weise scheint mehr Farbe am T-shirt zu sein als je an die Verkleidung kam… Habe heute beschlossen, unser Schlafgemach erst dann zu streichen, wenn wir die Möglichkeit haben in die Gästekabine oder ins Separee auszuweichen. Denn tagelang in dem Gestank schlafen, ohne mich!

Zur Psychohygiene, gönne ich mir heute ein Abendessen im Marinarestaurant. Es war einfach göttlich. Weniger göttlich waren allerdings die vier anderen deutschsprachigen Gäste. Erst halten sie den ganzen Verkehr mit ihren blöden Sprüchen auf (alle Anderen haben nur noch die Augen verdreht, aber ich aller Ärmste hab sie auch noch verstanden…). Dann beschweren sie sich zu Schluss doch tatsächlich darüber dass die Spaghetti zu lang waren(????). Da musste ich dann ganz schnell zu meinem Glas greifen, um mich zu beherrschen. Mittlerweile ist es 22.00 und immer noch so warm, dass ich das seit Wochen ignorierte Moskitonetz vor die offene Tür gehängt habe.

M: Heute ist Gerichtstag. Das heißt um 05.30 Aufstehen. Ich fahre nach München und wieder ist es, als wäre ich nie weg gewesen. Nach der Verhandlung treffe ich im Gericht eine Kollegin aus der Rechtsmedizin. Zum Glück fällt mir noch im Gericht auf, dass ich den Autoschlüssel nicht mehr in der Tasche habe. Ich habe ihn bei der Personenkontrolle am Eingang vergessen. Wäre blöd gewesen, wenn ich das erst draußen in Haar bemerkt hätte und das Gericht dann schon geschlossen gewesen wäre. Es folgt eine Einkaufstour Saturn, Hugendubel, Sauter, ADAC. Schwer bepackt komme ich in der Nussbaumstrasse an, um mich mit Haarer Kollegen zu treffen. Die Gräfin marschiert einfach an mir vorbei. Ich muss mich wohl sehr verändert haben. Sie und eine Kollegin basteln schon an meiner Rückkehr, bzw. dem sozialen Empfangsraum. Da das Wetter Dank Föhn sehr angenehmist, können wir im Garten der Klinik sitzen. Auf meinem Weg zurück schaue ich direkt an meiner alten Arbeitsstätte vorbei. Ich werde tatsächlich eingelassen. Mein Glück, dass beim Sicherheitsdienst noch einige bekannte Männer arbeiten. Auch auf Station hat sich nichts verändert. Den Pflegern werde ich als Neuzugang angekündigt. Ein Anruf bei Clausi bringt Erleichterung. Die Pakete von SVB sind bei ihm angekommen. Es folgt die Rückfahrt zu Walter und ab ins Bett.